Isola Madre, Lago Maggiore, April 2025.
Ein goldener Fasan stolziert den Weg entlang. Vom Wasser her dringt das tiefe Wummern des Dampfers durch das Dickicht der Palmen. Das sanfte Plätschern der Wellen massiert die Seelen der gefühlt drei Millionen Touristen, die sich auf die kleine Insel drängen.
Rentnergruppen, junge Eltern mit Kinderwagen – und mittendrin: ein junges Paar aus Deutschland. „Na das ist ja sehr romantisch“, denkt sich der Mann. Über seinem Arm liegt eine Jacke – erstaunlich für den sommerlichen Tag.
In der einen Hand hält er sein Handy, mit der anderen die Hand der atemberaubend schönen Frau. Doch während sie gerade die Blattfarben der Laubbäume auf der Insel zählt, hört er kaum zu.
„Wunderschön hier“, sagt er geistesabwesend, „aber absolut ungeeignet“, schießt es durch seinen Kopf. „Dann halt später.“
Fünf Stunden lang lassen sie sich in der Menge treiben. Fünf Stunden lang darf die Frau auf keinen Fall herausfinden, was sich in der Tasche seiner Wolljacke befindet. Der Fasan stolziert vor ihm her. Er scheint ihm Mut zuzusprechen.
Erst zurück am Festland sind sie endlich allein. Im Kurort Stresa, an der Promenade, sieht er seine Chance gekommen:
„Wollen wir uns mal ein bisschen ans Wasser setzen?“
„Klar.“
„Eins wollte ich Dir nämlich noch geben: Wenn Du willst, gehört er Dir.“
…
Und wie es weitergeht, erfahrt ihr in Hülsede.